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Warum wir beim Piercen nicht betäuben

vor 7 Stunden
4 Min. Lesezeit

Ein Piercing ist häufig mit einer gewissen Aufregung und Nervosität verbunden. Viele Kund*innen haben vor dem Piercen sogar wirklich Angst. Da ist eine Betäubung eine beliebte Idee, um dem Schmerz auszutricksen und „einfacher“ durch den Piercing-Prozess zu kommen. Es beruhigt auf jeden Fall den Kopf, wenn man weiß, der Schmerz wird reduziert. Die meisten Menschen werden, wenn sie an Nadeln denken, etwas unruhig und viele haben auch schon schlechte Erfahrungen gemacht.

Die Betäubungsarten, die beim Piercen vermeidlich interessant werden sind Eis- oder Kältesprays oder Betäubungscremes. Wir verzichten bewusst auf diese Mittel und das wollen wir erklären, damit es nachvollziehbar wird und vielleicht sogar die Lust auf eines dieser wieder verschwindet. Es ist ja auch an sich nur ein kurzer Pieks und mit Vertrauen, Empathie und einem ruhigen Umfeld schaffen wir das zusammen!Der Verzicht hat verschiedene Gründe, die mit der Sicherheit, der Beschaffenheit des Gewebes und unserer Arbeitsweise zu tun haben.


Warum wir kein Eisspray verwenden


Eisspray kennen viele aus dem Sport. Es wird zur kurzfristigen Kühlung bei Verletzungen wie Prellungen, Zerrungen oder Stauchungen eingesetzt. Der große Unterschied, der hier vorliegt: es handelt sich im Anwendungsbereich nicht um verletzte Haut, weswegen diese Sprays beim Piercen nichts zu suchen haben.

Durch die starke Verdunstungskälte können Temperaturen von bis zu −55 °C entstehen. Das ist wirklich unglaublich kalt und kann auch beim Auftragen sehr unangenehm werden.Die Haut wird dadurch vorübergehend weniger empfindlich, die starke Abkühlung verlangsamt die Weiterleitung der Schmerzimpulse für diesen Moment, doch die extreme Kälte kann das Gewebe auch schädigen. Es kann zu größeren Wunden im Bereich des Anwendungsfeldes kommen. Bei falscher Anwendung sind sogenannte Kälteverbrennungen möglich, die im schlimmsten Fall Narben hinterlassen. Da jede Haut andere Ansprüche hat, ist die „richtige“ Nutzungsweise schwer zu finden.

Hinzu kommt, dass die starke Abkühlung die Durchblutung vorübergehend reduziert und das Gewebe belastet. Beim anschließenden Piercen kann dies stärkere Schwellungen begünstigen und die Wundheilung beeinträchtigen.

Eisspray ist für die kurzfristige Behandlung bestimmter Sportverletzungen gedacht – nicht dafür, intakte Haut vor einem Piercing zu betäuben. Auch in der Medizin wird dieses Mittel nicht für die Vorbereitung eines Eingriffs genutzt! Die Hersteller*innen warnen ausdrücklich vor der Anwendung auf offenen Wunden und Schleimhäuten. Ein Piercing erzeugt unmittelbar eine solche Gewebeverletzung.

Der Verband Professioneller Piercer*innen (VPP) erklärt in seinem Artikel über Eisspray beim Piercen, warum diese Form der Betäubung problematisch ist.

Für uns ist deshalb klar: Eisspray gehört nicht auf die Stelle, die wir piercen möchten. Auch wenn es für den kurzen Moment eine Entlastung geben würde, wenn man das Auftragen nicht schmerzhaft findet, stehen die Langzeitschäden im Nutzungsfaktor einfach zu hoch. Deine Sicherheit und Gesundheit geht vor.


Warum wir auch keine Betäubungscremes zulassen


Betäubungscremes, beispielsweise mit den Wirkstoffen Lidocain und Prilocain, können die Schmerzempfindung an der Haut oberflächlich reduzieren. Sie werden unter anderem vor bestimmten medizinischen Eingriffen eingesetzt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sie für jede Anwendung geeignet sind.

Ein Punkt ist die Veränderung des behandelten Gewebes. Bei bestimmten Betäubungscremes sind örtliche Schwellungen, Rötungen oder eine Blässe als mögliche Nebenwirkungen beschrieben. Wird die Creme unter einer Folie aufgetragen, was für unseren Bereich nötig wäre, um die Betäubung nicht nur in die Oberfläche der ersten Hautschicht eindringen zu lassen, kann die dichte Abdeckung zusätzlich Schwellungen begünstigen.

Für uns ist das relevant, weil wir die Anatomie beurteilen und die vorgesehene Piercingposition möglichst präzise bestimmen müssen. Wenn sich die Hautkontur durch eine Schwellung verändert, kann es schwieriger werden, die vorgesehene Stelle zuverlässig einzuschätzen.

Das bedeutet nicht, dass ein Piercing durch eine Betäubungscreme automatisch schief wird. Wir möchten bei der Platzierung aber keine vermeidbaren Unsicherheiten schaffen. Unser Anspruch ist es, das Piercing auf Grundlage der natürlichen Anatomie zu planen – und dafür möchten wir das Gewebe vor dem Eingriff möglichst unverändert beurteilen können. Denk mal daran, wie sich deine Haut verändert, wenn du etwas zu lange in der Badewanne liegst, eine ähnliche Reaktion kann es zusätzlich geben, wenn die Haut unter der Folie aufweicht.

Hinzu kommen mögliche allergische Reaktionen. Diese sind zwar selten, können aber in schweren Fällen bis zu einer Anaphylaxie führen. Je nach Wirkstoff, Menge, Anwendungsort und Aufnahme in den Körper sind weitere Nebenwirkungen möglich.

Auch die Anwendung auf verletzter Haut ist nicht grundsätzlich unproblematisch: Die Gebrauchsinformationen bestimmter Betäubungscremes schließen offene Wunden von der Anwendung aus, sofern keine ausdrücklich vorgesehene Ausnahme vorliegt. Ein frisch gestochenes Piercing ist eine solche Gewebeverletzung.


Betäubungscremes sind also keine harmlosen Pflegeprodukte, sondern Arzneimittel mit konkreten Anwendungsvorgaben und Risiken.


Dürfen Piercer*innen überhaupt Betäubungscremes anwenden?


Diese Frage ist durchaus berechtigt. Die rechtliche Einordnung hängt vom jeweiligen Präparat, seiner Zulassung, der vorgesehenen Anwendung und den konkreten Umständen ab. Eine pauschale Aussage, dass jede Betäubungscreme für Piercer*innen grundsätzlich verboten sei, wäre deshalb nicht korrekt.

Wir sind bei nakedsteel keine Anästhesist*innen und führen keine medizinische Anästhesie durch. Wir haben uns daher bewusst dafür entschieden, keine Betäubungscremes anzuwenden oder deren Anwendung vor einem Piercing in unserem Studio zuzulassen.

Damit vermeiden wir nicht nur die damit verbundenen Risiken, sondern schaffen auch klare und einheitliche Rahmenbedingungen für unsere Arbeit.


Wie wir stattdessen mit dem Schmerz umgehen


Ein Piercing kann wehtun. Das wollen wir weder schönreden noch versprechen, dass es völlig schmerzfrei sein wird.

Wir arbeiten deshalb mit einer Atemtechnik, die dabei helfen kann, den Moment des Piercings bewusster und kontrollierter zu erleben. Eine ruhige, gezielte Atmung kann dabei unterstützen, Anspannung zu reduzieren und sich auf den Ablauf zu konzentrieren.

Außerdem erklären wir, was passiert, und geben dir die Möglichkeit, dich auf den entscheidenden Moment einzustellen. Uns ist wichtig, dass du weißt, was auf dich zukommt, und dich nicht überrumpelt fühlst.

Und dann geht es meistens ziemlich schnell: Der eigentliche Stich dauert nur einen kurzen Moment. Die individuelle Schmerzwahrnehmung ist natürlich unterschiedlich, aber häufig ist der entscheidende Moment vorbei, bevor man ihn sich vorher ausgemalt hat.


Unser Fazit: Sicherheit geht vor


Wir verstehen den Wunsch nach möglichst wenig Schmerzen. Gleichzeitig möchten wir keine Methoden einsetzen, deren Risiken und Auswirkungen wir für unsere Arbeit nicht in Kauf nehmen möchten.

Deshalb verzichten wir auf Eisspray und Betäubungscremes. Stattdessen setzen wir auf eine sorgfältige Vorbereitung, eine präzise Arbeitsweise, transparente Kommunikation, eine beruhigende Atmosphäre und unsere Atemtechnik.

Du musst keine Angst davor haben, Fragen zu stellen oder uns mitzuteilen, wenn du nervös bist. Wir nehmen das ernst und begleiten dich durch den Termin.

Denn ein gutes Piercing beginnt für uns nicht erst mit der Nadel, sondern mit einer sicheren und vertrauensvollen Vorbereitung.

 

 
 
 

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